{"id":1751,"date":"2021-03-15T15:23:27","date_gmt":"2021-03-15T14:23:27","guid":{"rendered":"https:\/\/tkv-hochfranken.de\/?p=1751"},"modified":"2021-03-15T15:23:28","modified_gmt":"2021-03-15T14:23:28","slug":"nmz-03-21-hochfraenkische-tonkuenstler-produzieren-cd","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tkv-hochfranken.de\/index.php\/2021\/03\/15\/nmz-03-21-hochfraenkische-tonkuenstler-produzieren-cd\/","title":{"rendered":"nmz 03\/21: Hochfr\u00e4nkische Tonk\u00fcnstler produzieren CD"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Gemeinsam aktiv trotz Pandemie<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p><strong>Der Tonk\u00fcnstlerverband Hochfranken e.V. hat im Dezember 2020 seine erste eigene CD produziert. Man habe sich dazu entschlossen, um speziell in diesen Tagen ein Signal f\u00fcr Kunst und Kultur zu senden und den Mitgliedern trotz ausfallender Konzerte eine Plattform zu bieten, teilte der Vorstand mit.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wie bereits der Titel \u201eMusikalisches Kaleidoskop Hochfr\u00e4nkischer K\u00fcnstler\u201c verr\u00e4t, schlie\u00dft diese CD an die Fusionskonzerte des Tonk\u00fcnstlerverbandes Hochfranken an. Im Mittelpunkt steht hier die Begegnung verschiedener Kunstsparten mit Musik. Dahin gehend erlebte das Publikum im ersten Konzert dieser Serie \u201eKonzertantes Kaleidoskop\u201c im Jahr 2019, wie sich improvisatorisch und kreativ Musik, Tanz und darstellende Kunst vereinten und die Mitwirkenden neue gesamtk\u00fcnstlerische Dimensionen ausloteten.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei der vorliegenden CD handelt es sich um ein T\u00eate-\u00e0-T\u00eate zwischen Musik, Lyrik und Graphikdesign. Zu h\u00f6ren ist ein lebendiges, abwechslungsreiches Musizieren in verschiedenen Musikstilen. Dabei sind die H\u00e4lfte der Tracks den Komponisten Dr. Wolfram Graf, S\u0142awek Dudar und Dietmar Ungerank gewidmet, die alle in Hochfranken leben und arbeiten.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Zyklus<\/h3>\n\n\n\n<p>Gedichte von Salvatore Rinnone inspirierten Dietmar Ungerank zu den \u201eZw\u00f6lf Impromptus\u201c f\u00fcr 2 Gitarren. Im Jahr 1981 schrieb Rinnone seine \u201ePensieri lirici\u201c, die 12 Gedichte \u00fcber die einzelnen Monate des Jahres beinhalten. Demnach beginnt der Zyklus mit dem Monat \u201eJanuar\u201c, den Rinnone folgenderma\u00dfen beschreibt: \u201eIch verbringe die Tage \/ und tue nichts \/ ich schaffe es nicht \/ und tue nichts \/ ach! wo ist der Mut \/ meiner zwanzig Jahre \/ ja, sogar einundzwanzig\u201c (Deutsche \u00dcbersetzung aus dem Italienischen). Ungerank setzte Rinnones Gedanken und Stimmungen in Musik, die er zusammen mit Ewa Margareta Cyran einspielte. Die CD enth\u00e4lt einen Auszug aus den \u201eZw\u00f6lf Impromptus\u201c, n\u00e4mlich \u201eGennaio\u201c, \u201eMarzo\u201c, \u201eLuglio\u201c, \u201eAgosto\u201c, \u201eSettembre\u201c und \u201eOttobre\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Anschluss daran er\u00f6ffnen der Fl\u00f6tist Martin Seel und die Pianistin Chie Honda die \u201eSuite symphonique\u201c von Wolfram Graf. Stimmungsvoll beginnt der erste Satz \u201eSchnell\u201c mit einem dramatischen Einstieg und geht \u00fcber in einen einzigen, ausgehaltenen Fl\u00f6tenton. Fl\u00fcchtige Augenblicke pr\u00e4gen die Atmosph\u00e4re des farbigen ersten Satzes. Ostinate Motive wechseln sich ab mit virtuosen, flirrenden Tongirlanden, \u00fcber denen sich wiederkehrend der einsame Ton der Fl\u00f6te erhebt. Seel und Honda stellen den ersten und dritten Satz der Suite vor.<\/p>\n\n\n\n<p>Dreht man das musikalische Kaleidoskop etwas weiter, laden die zwei Titel von S\u0142awek Dudar den H\u00f6rer in die Welt des Contemporary Jazz ein: \u201eNYC Waltz\u201c stammt urspr\u00fcnglich von dem Album \u201eBrand New World\u201c (2010). Danach experimentierten die Mitglieder des \u201eS\u0142awek Dudar Quartet\u201d \u00fcber zwei Jahre, bevor sie \u201eRed Man\u201c erstmals f\u00fcr ihr Album \u201eInside the City\u201c aufnahmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Neben den hochfr\u00e4nkischen Kompositionen spielt Yasuko Sugimoto-Shestiperov Chopins ber\u00fchmtes \u201eScherzo Nr. 1\u201c in h-moll und den \u201eDance Russe\u201c aus Igor Stravinskys \u201eTrois Mouvements de P\u00e9trouchka\u201c am Klavier, bevor sich Ulrike Schelter-Baudach musikalisch mit dem \u201eChorus of Angels\u201c des englischen Komponisten Frederick Scotson Clark auseinandersetzt.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Night and Day<\/h3>\n\n\n\n<p>Daneben sind auf der CD mehrere Erstver\u00f6ffentlichungen vertreten, die unter anderem f\u00fcr die barocke Seite der Aufnahme sorgen. Gitarrist Jens Gottl\u00f6ber spielte eigens f\u00fcr dieses Projekt David Kellners \u201eFantasie A-Dur\u201c ein und Harald Oeler \u00fcberrascht am Bajan mit den Sonaten in Des-Dur und fis-Moll von Antonio Soler. Ebenso stellt Blockfl\u00f6tistin Silvia M\u00fcller mit ihrem \u201eEnsemble Wooden Voices\u201c eine bisher unver\u00f6ffentlichte Aufnahme zur Verf\u00fcgung: \u201eAllemanda\u201c und \u201eCorrente\u201c aus \u201eSonate I\u201c von Arcangelo Corelli. Wie die \u201eVier EvangCellisten\u201c die romantischen Linien nuanciert gestalten, zeigt deren Ersteinspielung von Josef Werners \u201eElegie op. 21\u201c. Im Gegensatz zu romantischer Tiefgr\u00fcndigkeit musizieren Geiger Helmuth Reichel und Harald Oeler am Bajan locker und beschwingt Cole Porters Jazzstandard \u201eNight and Day\u201c.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"605\" src=\"https:\/\/tkv-hochfranken.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/image-schumann-1024x605.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1752\" srcset=\"https:\/\/tkv-hochfranken.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/image-schumann-1024x605.jpg 1024w, https:\/\/tkv-hochfranken.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/image-schumann-300x177.jpg 300w, https:\/\/tkv-hochfranken.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/image-schumann-768x453.jpg 768w, https:\/\/tkv-hochfranken.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/image-schumann-1536x907.jpg 1536w, https:\/\/tkv-hochfranken.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/image-schumann-2048x1209.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>(Foto: Sebastian Schumann)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Jedoch stellt die divergente Programmgestaltung den Graphikdesigner Sebastian Schumann vor eine Herausforderung. Denn wie kann das Cover f\u00fcr eine solch mannigfaltige CD gestaltet werden? Schumann zufolge ist die klassische Reaktion, nicht konkret zu werden und sich f\u00fcr abstrakte Kunst zu entscheiden. \u201eDies war mir zu langweilig.\u201c, sagt er. Deswegen \u00fcberlegte er, ob es ein Urinstrument gibt \u2013 etwas, dass allen Musikst\u00fccken zugrunde liegt. So kam ihm die Idee des Sch\u00e4dels als essentieller Klangk\u00f6rper f\u00fcr lautliche und musikalische \u00c4u\u00dferungen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Kaleidoskop<\/h3>\n\n\n\n<p>In Anlehnung an den Titel \u201eMusikalisches Kaleidoskop\u201c durchl\u00e4uft der Sch\u00e4del verschiedene Transformationen, indem Schumann diesen an einer willk\u00fcrlich gew\u00e4hlten Achse spiegelt und dem Betrachter vielf\u00e4ltige Perspektiven des Sch\u00e4dels zeigt. Figur 0 auf dem Cover bildet den urspr\u00fcnglichen Zustand des Widdersch\u00e4dels ab. Dar\u00fcber hinaus erl\u00e4utert Schumann, dass das abges\u00e4gte Horn auf ein Einhorn hinweisen solle und seinem Werk eine fantastische und mystische Note verleihe.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Allgemeinen ist das Einhorn als ein Symbol f\u00fcr Reinheit, Freiheit und Meinungsvielfalt bekannt. Als mythisches Krafttier k\u00e4mpft es gegen Gefahren, widersetzt sich allen Krankheiten und bringt Tote wieder ins Leben zur\u00fcck. Hier zieht Schumann eine Parallele zum aktuellen Kulturbetrieb, der zwar zu Zeiten der Pandemie einer \u201eaussterbenden Spezies\u201c gleiche, aber in der Zukunft wieder erbl\u00fchen werde. Seiner Ansicht nach erweitere die Assoziation zum Einhorn die Gestaltung um eine Bedeutungsebene, die den Betrachtern Hoffnung bringen solle.<\/p>\n\n\n\n<p>Dies unterst\u00fctzt auch die Farbwahl, die nach den Worten Schumanns den morbiden Charakter des Sch\u00e4dels aufweiche und dadurch einen Kontrapunkt zum Tod setze. Urspr\u00fcnglich war die Farbe Rosa noch in den 1920er Jahren mit St\u00e4rke und Entschlossenheit konnotiert und daher ein charakteristischer Farbton f\u00fcr Jungen, wohingegen Hellblau als zarte und anmutige Farbe den M\u00e4dchen vorbehalten war. Im Laufe des 20. Jahrhunderts vertauscht jedoch die Blau-Rosa-Farblehre ihr Geschlecht und Rosa entwickelt sich zum Inbegriff des Weiblichen. Schumann hingegen definiert Rosa geschlechtsneutral als \u201ezarte Farbe, das Feine, den Hautton oder auch als Fleischfarbe\u201c, mit der er \u201edas Geschlechtliche als Ausgangspunkt des Lebens\u201c assoziiert. Demnach spiegelt die Farbe Rosa in diesem Kunstwerk Sanftheit, K\u00f6rperlichkeit und Hingabe wider und repr\u00e4sentiert allegorisch das Leben.<\/p>\n\n\n\n<p>Jedenfalls regte das Design die Vereinsmitglieder zu Gespr\u00e4chen an. Die Auseinandersetzung mit dem Gesamtwerk und fantasievolle Deutungsversuche l\u00f6sten anfangs gemischte Gef\u00fchle bei ihnen aus. Manch einer meinte, \u201ediese morbiden, knochen- und skeletthaften oder auch sonstige Innereien darstellende Zeichnungen\u201c seien kein erfreulicher Anblick und in der aktuellen Situation unzumutbar. Die Pianisten Tamara Gei\u00dfner berichtete: \u201eTats\u00e4chlich habe ich auch sehr lange dieses Cover angeschaut \u2026 trotzdem \u2013 oder gerade deshalb \u2013 toll!\u201c<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Ein Zeichen setzen<\/h3>\n\n\n\n<p>Sebastian Schumann freut sich \u00fcber die Kunsterfahrungen seiner Musikerkollegen. Laut dem \u00f6sterreichischen Philosophen Konrad Paul Liessmann darf Kunst schockieren und zwar \u201edurch ihre sinnliche Qualit\u00e4t\u201c. Erst die Reaktion des Schocks erm\u00f6gliche eine authentische Kunsterfahrung, \u00e4u\u00dfert Liessmann. Im Diskurs der Interpretationen erkl\u00e4rt Schumann verschmitzt, dass in der Welt der klassischen Musik die Covergestaltung meist nur Dekoration und keine Kunst sei. Er habe sich f\u00fcr die Kunst entschieden.<\/p>\n\n\n\n<p>Dem Vorstand war es wichtig, mit diesem Projekt ein Zeichen zu setzen, denn gerade in den letzten Monaten vermissen wohl alle Musik, Kunst und Kultur als sozialen Akt schmerzlich: \u201eKulturelle Veranstaltungen als Entspannung, Genuss und Ablenkung, aber auch als Auseinandersetzung mit Neuem oder Fremden bis hin zur Kontroverse sowie Meinungsbildung, Eigenwahrnehmung und Mut zur Eigenst\u00e4ndigkeit war und ist alles wichtig und musste zunehmend entbehrt werden. Wenn diese CD es schafft, Ihnen hier und da zu gefallen, Sie aber auch an anderer Stelle ein wenig herausfordert, dann sind wir ein paar unserer Aufgaben als K\u00fcnstler gerecht geworden, n\u00e4mlich uns als Verband vielseitiger, unabh\u00e4ngiger K\u00fcnstler f\u00fcr einen Platz aller in dieser Gesellschaft einzusetzen\u201c, schrieb der 1. Vorsitzende Markus Jung in einem Rundbrief an die Vereinsmitglieder.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Er und die stellvertretende Vorsitzende Christa Klie organisieren und realisieren die CD-Projekte. Bearbeitet hat diese CD das Bayreuther Label \u201eaudiotransit\u201c. Da das Interesse der Mitglieder gro\u00df war, ist bereits die Erscheinung einer weiteren CD im Jahr 2021 geplant. Um den Mitwirkenden die versprochene Au\u00dfenwirkung zu gew\u00e4hrleisten, wird im Fr\u00fchjahr die aktuelle CD auch online ver\u00f6ffentlicht. Informationen zu den aktuellen CD-Projekten und wie Sie diese CD erhalten k\u00f6nnen, finden Sie auf der Homepage des Tonk\u00fcnstlerverbandes Hochfranken unter <a href=\"https:\/\/tkv-hochfranken.de\">https:\/\/www.tkv-hochfranken.de<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>\u2014 Eva Enders<\/p>\n<h3>Related Images:<\/h3>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gemeinsam aktiv trotz Pandemie Der Tonk\u00fcnstlerverband Hochfranken e.V. hat im Dezember 2020 seine erste eigene CD produziert. Man habe sich dazu entschlossen, um speziell in diesen Tagen ein Signal f\u00fcr Kunst und Kultur zu senden und den Mitgliedern trotz ausfallender Konzerte eine Plattform zu bieten, teilte der Vorstand mit. Wie bereits der Titel \u201eMusikalisches Kaleidoskop&#8230; <\/p>\n<div class=\"read-more navbutton\"><a href=\"https:\/\/tkv-hochfranken.de\/index.php\/2021\/03\/15\/nmz-03-21-hochfraenkische-tonkuenstler-produzieren-cd\/\">Read More<i class=\"fa fa-angle-double-right\"><\/i><\/a><\/div>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[1,12],"tags":[],"class_list":["post-1751","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","category-presse"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/tkv-hochfranken.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1751","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/tkv-hochfranken.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/tkv-hochfranken.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/tkv-hochfranken.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/tkv-hochfranken.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1751"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/tkv-hochfranken.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1751\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1753,"href":"https:\/\/tkv-hochfranken.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1751\/revisions\/1753"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/tkv-hochfranken.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1751"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/tkv-hochfranken.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1751"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/tkv-hochfranken.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1751"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}