{"id":1758,"date":"2021-05-25T11:42:15","date_gmt":"2021-05-25T09:42:15","guid":{"rendered":"https:\/\/tkv-hochfranken.de\/?p=1758"},"modified":"2021-05-25T13:45:34","modified_gmt":"2021-05-25T11:45:34","slug":"unbekanntes-aus-dem-goethe-umfeld","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tkv-hochfranken.de\/index.php\/2021\/05\/25\/unbekanntes-aus-dem-goethe-umfeld\/","title":{"rendered":"nmz 05\/21: Unbekanntes aus dem Goethe-Umfeld"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Ein CD-Buch mit Liedern von Juliane Benda-Reichardt<\/h2>\n\n\n\n<p>Immer wieder sto\u00dfen findige Musikwissenschaftler und Musiker auf interessante Entdeckungen. Vor allem im Bereich der alten Musik sind die Archive noch voll von schlummernden Sch\u00e4tzen. Diese auszugraben, kann eine spannende Erfahrung sein, die auch der Pianist und Spezialist im Bereich historischer Auff\u00fchrungspraxis Oliver Andreas Frank machte. Sein Fund galt einigen Liedern der Komponistin Juliane Benda-Reichardt (1752-1783), Frau des Goethe-Freundes und Komponisten Johann Friedrich Reichardt (1752-1814). Als Tochter des Violinisten und ebenfalls Komponisten Franz Benda (1709-1786) war ihr die Musik quasi in die Wiege gelegt und Julianes sp\u00e4terer Mann scheint sie in ihrem musikalischen Tun gef\u00f6rdert zu haben, hat er doch den Druck einiger ihrer Lieder und zweier Klaviersonaten 1782 bei Breitkopf veranlasst. Zuvor waren einzelne Vertonungen der jungen Komponistin in der literarischen Publikationsform verschiedener Musenalmanache erschienen, wodurch sie offensichtlich schon bei Dichtern und Kunstliebhabern eine gewisse Beachtung fand.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Lieder selber sind zumeist einfache, schlicht gesetzte Strophenlieder, denen eine sch\u00f6ne, kantable und den Texten angemessene Melodief\u00fchrung innewohnt. Manchmal erinnern sie fast etwas an die Bach\u2019schen Schemelli-Lieder, wobei die Verfasserin mit ihrer Textauswahl bei den damaligen Zeitgenossen blieb. Von den Dichtern sind heute haupts\u00e4chlich noch Friedrich Klinger, Ludwig H\u00f6lty und Johann Gottfried Herder ein Begriff, die weiteren wie Johann Miller, Karoline Rudolphi, Christian Wei\u00dfe u.a.m. sind vermutlich eher den Literaturwissenschaftlern bekannt, welche diese Zeitepoche st\u00e4rker im Blick haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Interessant ist nun das Konzept, mit dem Oliver Frank die alten Weisen wieder ans Licht holt. Da die Melodien nur in einfacher Form mit einer begleitenden Basslinie \u00fcberliefert sind, harmonisiert er diese zun\u00e4chst in schlichter Form aus. Danach schlie\u00dfen sich die von Frank quasi neu komponierten Lieder an, wobei er seiner Fantasie in der pianistischen Ausgestaltung der Begleitung und manchmal auch durch Umwandlungen der Singstimme freien Lauf l\u00e4sst. Improvisatorische Elemente treffen dabei auf strenge Formen, wie z. B. an einer Stelle ein einleitendes Fugato, das die Melodief\u00fchrung vorwegnimmt. Frank versucht dabei den Stimmungsgehalt der Texte musikalisch zu kommentieren und schafft dadurch gr\u00f6\u00dfere Zusammenh\u00e4nge, die streckenweise an Schubert\u2019sche Handhabung des Klaviersatzes erinnern und immer tonal gehalten sind.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Das Booklet selber ist sehr ausf\u00fchrlich und als kleines Buch gestaltet, in welches die CD eingelegt ist. Es finden sich dort alle Liedertexte, die \u00fcblichen Biographien der Musiker sowie Aufs\u00e4tze zu der Komponistin und den historischen Hintergr\u00fcnden. Auch die vorhandene Analyse einer der Bearbeitungen kann aufschlussreich sein, um Franks Herangehensweise an seine kompositorischen Ausdeutungen besser verstehen zu k\u00f6nnen. Das alles ist sehr ansprechend und dazu reich bebildert.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Lieder werden interpretiert von der Sopranistin Judith Spiesser, die den Ges\u00e4ngen ihre innewohnende Schlichtheit l\u00e4sst und mit ebenso unpr\u00e4tenti\u00f6ser wie galanter Stimme die romantischen Inhalte wunderbar auszudeuten vermag. Oliver Andreas Frank spielt seine Sicht auf die Benda-Lieder selbst brillant am Fortepiano. Wenn auch in den Neuvertonungen manchmal die Form aus dem Rahmen zu fallen droht, kann dieses \u201eExperiment\u201c doch als gelungen bezeichnet werden. Man w\u00fcnscht sich beim Anh\u00f6ren nur, den Akteuren mit diesem Programm im Konzertsaal begegnen zu k\u00f6nnen, der Charme der alten Ges\u00e4nge im Licht der Frank\u2019schen Bearbeitungen w\u00e4re dann sicher noch sch\u00f6ner erlebbar.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\">Wolfram Graf &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-left\">Juliane Benda &amp; Oliver Andreas Frank<br>Lieder 1782 &amp; 2020<br>Judith Spiesser, Sopran<br>Oliver Andreas Frank, Fortepiano<\/p>\n\n\n\n<p>Falls Sie neugierig geworden sind, k\u00f6nnen Sie die CD hier kaufen:<br><a href=\"https:\/\/palaion.de\/startseite\/aktuellecd\">www.palaion.de<\/a><\/p>\n<h3>Related Images:<\/h3>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein CD-Buch mit Liedern von Juliane Benda-Reichardt Immer wieder sto\u00dfen findige Musikwissenschaftler und Musiker auf interessante Entdeckungen. 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