{"id":1857,"date":"2023-02-08T22:46:20","date_gmt":"2023-02-08T21:46:20","guid":{"rendered":"https:\/\/tkv-hochfranken.de\/?p=1857"},"modified":"2023-02-22T18:05:31","modified_gmt":"2023-02-22T17:05:31","slug":"kritik-im-hochfranken-feuillton-zum-ersten-konzert-von-dietmar-ungeranks-gitarrenhighlights","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tkv-hochfranken.de\/index.php\/2023\/02\/08\/kritik-im-hochfranken-feuillton-zum-ersten-konzert-von-dietmar-ungeranks-gitarrenhighlights\/","title":{"rendered":"Kritik im Hochfranken-Feuilleton zum ersten Konzert von Dietmar Ungeranks &#8222;Gitarrenhighlights&#8220;"},"content":{"rendered":"\n<p>Am Sonntag, dem 22. Januar 2023, fand in der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten Hof um 17:00 Uhr das erste Konzert der wieder aufgenommenen Reihe &#8222;Gitarrenhighlights&#8220; statt. Dietmar Ungeranks Jahrzehnte erfolgreiche, internationale Gitarrenabende im Klostercaf\u00e9 wurden nun an einem neuen Ort durch seine Gitarrenschule &#8222;Freunde der Gitarre&#8220; wiederbelebt. Der japanische Gitarrist Yoshimasa Yoshida kn\u00fcpfte an die weltweiten G\u00e4ste von damals an und Michael Thumser schrieb die folgende Kritik im Hochfranken-Feuilleton:<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>STEGE ZWISCHEN FLUSS UND H\u00dcGEL<\/p>\n\n\n\n<p>Freunde des gepflegten Saitenspiels d\u00fcrfen sich freuen: Dietmar Ungerank nimmt die von ihm bis 2017 organisierte Reihe der Hofer \u201eGitarrenhighlights\u201c wieder auf \u2013 vorerst probehalber. Beim Auftakt bekennt sich der Japaner Yoshimasa Yoshida als Verehrer Bachs und gibt dem Gastgeber die Ehre.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/tkv-hochfranken.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/picture-2600-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1859\" srcset=\"https:\/\/tkv-hochfranken.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/picture-2600-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/tkv-hochfranken.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/picture-2600-300x225.jpg 300w, https:\/\/tkv-hochfranken.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/picture-2600-768x576.jpg 768w, https:\/\/tkv-hochfranken.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/picture-2600-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/tkv-hochfranken.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/picture-2600-2048x1536.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Yoshimasa Yoshida in der Kapelle der Siebenten-Tags-Adventisten: Einer von der ganz diskreten Art. (Foto: Michael Thumser)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Von Michael Thumser<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Hof, 24. Januar<\/strong> \u2013 Die Gitarre, kein Zweifel, ist seine Leidenschaft. Aber er tut alles, damit man es nicht sieht. Den erfreulich zahlreichen Besucherinnen und Besuchern, die am Sonntagnachmittag in Hof dem Japaner Yoshimasa Yoshida zuh\u00f6rten und -sahen, leuchtete noch vor den ersten Takten, bei seinen bescheidenen, fast sch\u00fcchternen Verbeugungen ein, dass da kein rassiger Gitarrero vor ihnen Platz nahm. Der K\u00fcnstler \u2013 vor 61 Jahren in Tokio geboren, in seiner Heimat und Deutschland ausgebildet und in vielen Teilen der Welt unterwegs \u2013, er ist einer der ganz in sich gekehrten Sorte.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Dass er in die Saiten <em>greife<\/em>, ist beinah schon zu viel gesagt: kaum dass er sie anr\u00fchrt, tangiert, betastet und bef\u00fchlt. Unter den Musikern geh\u00f6rt Yoshida einer betont diskreten, leisen Spezies an. Sobald er, nach wiederholtem, akribischem Stimmen seines Instruments, die ersten Kl\u00e4nge intoniert, zieht sein K\u00f6rper sich zusammen, kehrt seine Mimik sich ganz ins Innere weg, und das einzige Au\u00dfen, das sein Blick gebannt erfasst, ist die linke Hand, die am Gitarrenhals die haarstr\u00e4ubendsten Akkorde greift.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u201eEine sch\u00f6ne Bilanz\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Zum vierten Mal gastiert er in der Stadt. Eingeladen hat ihn der namhafte Hofer Gitarrist, Komponist und P\u00e4dagoge Dietmar Ungerank, wie schon zu den drei Auftritten zuvor; und neuerlich zu einem \u201eGitarrenhighlight\u201c. Jene unter Kennern hochgeachtete Konzertreihe gab es schon einmal, 25 Jahre lang, bis sie 2017 endete: nach 261 Programmen mit 166 regionalen, nationalen und internationalen K\u00fcnstlern \u2013 eine \u201esch\u00f6ne Bilanz\u201c, sagt Ungerank mit berechtigtem Stolz. Nun soll, g\u00fcnstigenfalls, die Reihe neu beginnen: Nach dem Start in der \u2013 akustisch wie daf\u00fcr geschaffenen \u2013 Kapelle der freikirchlichen Siebenten-Tags-Adventisten will Ungerank den \u201eVersuch\u201c wagen und probehalber vorerst weitere drei Mal zu intimem Saitenspiel einladen, allerdings nicht mehr, wie einst, an den Freitagabenden der Hofer Symphoniker-Konzerte, sondern an sonnt\u00e4glichen Sp\u00e4tnachmittagen \u2013 wahrlich ein guter Zeitpunkt, um vor dem Ende des Wochenendes lauschend noch einmal zur Ruhe zu kommen.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Dabei hilft Yoshimasa Yoshida nach Kr\u00e4ften: wohlgemerkt mit stillen, wohldosierten Kr\u00e4ften. Ein Pr\u00e4ludium \u2013 Vorspiel \u2013 steht sinnreich am Beginn seiner Darbietungen, ein St\u00fcck, das der polnische Renaissancemeister Jakub Reys alias Polak f\u00fcr die gelinde Laute schuf. Entsprechend versonnen vertieft sich der Interpret in die Mehrstimmigkeit des dezenten Werks, an das er, \u00fcberraschend stimmig, fast wie eine unumg\u00e4ngliche Fortsetzung Akira Mitakes Miniatur \u201eKawa no nagare no you ni\u201c aus dem Jahr 1989 anschlie\u00dft. Melancholisch singt sich da ein zartes Lied ohne Worte aus.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>An der Grenze zur Unspielbarkeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Als bekennender Verehrer Johann Sebastian Bachs stellt Yoshida gewichtig und ausf\u00fchrlich eine Sch\u00f6pfung des Gro\u00dftonsetzers ins Zentrum seines Gastspiels; kein Originalwerk indes, sondern eins f\u00fcr Violine. Von ihm selbst stammt die Bearbeitung der a-Moll-Sonate BWV 1003, und sie ist ihm, wie er l\u00e4chelnd bemerkt, \u201esehr schwierig\u201c geraten. Tats\u00e4chlich: eine&nbsp;Version&nbsp;&nbsp;an der Grenze zur Unspielbarkeit. Sogar ein K\u00f6nner wie er bringt sie nicht ganz makellos \u00fcber all ihre fingerverkr\u00fcmmenden Klippen. Gleichwohl virtuos \u00fcbertr\u00e4gt er die bereits in der Originalfassung stupende Polyphonie der S\u00e4tze auf sein Instrument, schwerbl\u00fctig im anf\u00e4nglichen Grave, noch verwickelter in der folgenden Fuge, die er mit verhaltener Gel\u00e4ufigkeit durchquert. Tr\u00e4umerisch erhebt er sodann die Melodie des Andante \u00fcber den gleichm\u00e4\u00dfigen Puls einer sacht voranschreitenden Grundlinie, um zu guter Letzt, selbstbewusst im Kontrast dazu, mit dem Final-Allegro einen vergleichsweise beherzten Punkt hinter alles zu setzen. So verbinden sich in Yoshidas Penibilit\u00e4t die seri\u00f6se Feierlichkeit der barocken Tonsprache mit der bis heute un\u00fcberh\u00f6rbaren Lust Bachs daran, sie besser beherrscht zu haben als irgendjemand sonst.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Deutlich berechenbarer, ostentativ traurig schlie\u00dft sich eine Pi\u00e8ce Astor Piazzollas an, auch ein \u201eGran Vals\u201c von Francisco T\u00e1rrega, ein (nicht sehr) gro\u00dfer Walzer also, bei dem Yoshida mit einer Spur Schm\u00e4h in seinen glissandierten T\u00f6nen nicht so sehr an Spanien wie an Wien erinnert. Dann erweist der Interpret dem Gastgeber die Ehre: Den offiziellen Beschluss (vor zwei Zugaben) macht er mit dessen \u201eIntonation und vier Klangbildern\u201c nach Arbeiten des 1949 in Wuhan geborenen Malers Xiaobai Su. Auf ihre Komposition bereitete sich Dietmar Ungerank durch gr\u00fcndliche Studien chinesischer Musik vor. Die, l\u00e4sst er das Publikum wissen, habe er sich offenbar so authentisch anverwandelt, dass der Sch\u00f6pfer der Bildvorlagen beim H\u00f6ren vermutete: \u201eDas muss von einem Chinesen stammen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Doppelte Poesie<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Nicht exotistisch, also unstatthaft durch \u201ekulturelle Aneignung\u201c, n\u00e4herte sich der Komponist dem fremdl\u00e4ndischen Idiom. Doch ausdr\u00fccklich exotisch, im Sinn von unbekannt, indirekt, verschl\u00fcsselt, klingt sein Zyklus in einheimischen Ohren schon. Mit eigens umgestimmter Gitarre meditiert sich Yoshimasa Yoshida durch die S\u00e4tze mit ihren sich wandelnden Energiegraden, Stimmungslagen, Artikulationsweisen.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; \u00c4hnlich dem \u201eKlangbild\u201c Akira Mitakes, dessen Titel \u00fcbersetzt \u201eWie das Flie\u00dfen des Flusses\u201c lautet, tragen auch hier die S\u00e4tze augenf\u00e4llige \u00dcberschriften: \u201eSich erstreckender Steg mit seinen Schatten\u201c, \u201eWind auf dem H\u00fcgel\u201c \u2026 Die Poesie der Worte st\u00fctzt die der Kl\u00e4nge. Durch Gleichma\u00df und M\u00e4\u00dfigung, Friedlich- und Stetigkeit&nbsp;&nbsp;verlocken sie, nicht durch Langeweile oder einen Mangel an Leidenschaft, wohl aber durch die heilsame Wirkung sedierender Monotonie.<\/p>\n\n\n\n<p><em>N\u00e4chstes \u201eGitarrenhighlight\u201c: Rezital von Anne Haasch am 19. M\u00e4rz um 17 Uhr in der Kapelle der Hofer Adventgemeinde.<\/em> <\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8211; Michael Thumser f\u00fcr Hof, Hochfranken-Feuilleton, Januar 2023 (online)<\/em><\/p>\n<h3>Related Images:<\/h3>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am Sonntag, dem 22. Januar 2023, fand in der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten Hof um 17:00 Uhr das erste Konzert der wieder aufgenommenen Reihe &#8222;Gitarrenhighlights&#8220; statt. Dietmar Ungeranks Jahrzehnte erfolgreiche, internationale Gitarrenabende im Klostercaf\u00e9 wurden nun an einem neuen Ort durch seine Gitarrenschule &#8222;Freunde der Gitarre&#8220; wiederbelebt. 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