{"id":2091,"date":"2023-05-06T22:47:15","date_gmt":"2023-05-06T20:47:15","guid":{"rendered":"https:\/\/tkv-hochfranken.de\/?p=2091"},"modified":"2023-05-06T22:48:49","modified_gmt":"2023-05-06T20:48:49","slug":"gedichte-zeichnungen-und-klaenge","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tkv-hochfranken.de\/index.php\/2023\/05\/06\/gedichte-zeichnungen-und-klaenge\/","title":{"rendered":"Gedichte, Zeichnungen und Kl\u00e4nge"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Michael Thumsers<\/strong> Kritik im <strong>Hochfranken Feuilleton<\/strong> von Anfang Mai 2023 \u00fcber einen vielsa\/eitigen Kunstgenuss:<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>LIEBEN IST EIN TUNWORT<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eNachklang\u201c im Wortsinn: Nach der gewaltigen Tschoepe-Retrospektive in der Freiheitshalle erklangen nun im Theater Hof 26 Gedichte von Ingrid Haushofer, zu denen der K\u00fcnstler lavierte Tuschzeichnungen geschaffen hat, dazu intimes Saitenspiel auf der Gitarre.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"739\" src=\"https:\/\/tkv-hochfranken.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/picture-2600-1-1024x739.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2092\" srcset=\"https:\/\/tkv-hochfranken.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/picture-2600-1-1024x739.jpg 1024w, https:\/\/tkv-hochfranken.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/picture-2600-1-300x217.jpg 300w, https:\/\/tkv-hochfranken.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/picture-2600-1-768x554.jpg 768w, https:\/\/tkv-hochfranken.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/picture-2600-1-1536x1109.jpg 1536w, https:\/\/tkv-hochfranken.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/picture-2600-1-2048x1478.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Ingrid Haushofer mit dem jungen Gitarristen Jeroen Sigl und Peter Kampschulte vor einer der W\u00e4nde mit Bildgedichten und Gedichtbildern: Wechselnde Wortgewichte, Gehalte zwischen den Zeilen. (Foto: Michael Thumser)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Von Michael Thumser<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Hof, 6. Mai<\/strong> \u2013 Schrift war f\u00fcr ihn, den Maler, etwas Besonderes. Peter Michael Tschoepe schrieb gut, im doppelten Sinn: Feinsinnig und wortwitzig, so, wie man ihn als Menschen kannte, hatte er auch stilistisch das Zeug zum gl\u00e4nzenden Formulierer; und seine Handschrift, charaktervoll und unverwechselbar, zeigte elegantes Ebenma\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Ein Beispiel davon lie\u00df sich am Donnerstag in Augenschein nehmen: An einer von zwei schwarzen Stellw\u00e4nden in der \u201eKulturkantine\u201c des Theaters Hof hing, neben 26 lyrischen Bildern Tschoepes und bebilderter Lyrik von Ingrid Haushofer, ein Brief des 2020 gestorbenen K\u00fcnstlers, den er einst an die in Oberkotzau lebende Dichterin gerichtet hat. Das ist viele, viele Jahre her: Im \u201eMai 2014\u201c, so ist oben auf dem Blatt vermerkt, ging die Botschaft in die Post, Bezug auf ein Ereignis nehmend, das seinerzeit wiederum \u201eviele, viele Jahre\u201c zur\u00fccklag. Damals, schrieb Tschoepe, \u201eerhielt ich von Ihnen eine Sammlung von Gedichten aus Ihrer Feder. Ich hatte mir vorgenommen, zu den Gedichten einige Begleitbilder (keine Illustrationen!) zu schaffen. Nun habe ich endlich zu Tusche und Farbe gegriffen; das Ergebnis k\u00f6nnen Sie sehen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Zwei beschauliche Extrastunden<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Sehen und h\u00f6ren konnten \u201edas Ergebnis\u201c die Besucherinnen und Besucher eines bild-, sprach- und tonk\u00fcnstlerischen Abends, den Peter N\u00fcrmberger passend als \u201eNachklang\u201c zur gro\u00dfen, soeben abgebauten Tschoepe-Retrospektive apostrophierte. Die kaum zu \u00fcberschauende Ausstellung mit ihren 209 Exponaten (siehe 13. M\u00e4rz auf dieser Seite) ist am Dienstag in der Freiheitshalle zu Ende gegangen: Nun ging sie gegen\u00fcber, im Theater, noch zwei beschauliche Extra-Stunden lang weiter.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; F\u00fcr den K\u00fcnstler sei Schrift immer ein bevorzugtes Gestaltungsmittel gewesen, erl\u00e4utert N\u00fcrmberger, der Tschoepe sowohl als Pressesprecher wie auch als Kulturamtsleiter der Stadt nachfolgte. Oft habe er Beschriebenes und Bedrucktes, am liebsten Zeitungszeiten als Malgrund verwendet. Vielmals integrierte er Schriftzeichen und -zeilen, gestochen leserlich oder absichtsvoll verwischt, in seine Arbeiten. Regelm\u00e4\u00dfig auch reagierte er mit seiner Kunst auf anderweitig Geschriebenes und Gedrucktes \u2013 so wie vor \u201evielen, vielen Jahren\u201c auf Ingrid Haushofers Gedichte.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Und immer wieder auf Musik; darum darf sie auch an diesem Abend nicht fehlen. Anstelle des angek\u00fcndigten, aber erkrankten Dietmar Ungerank und seiner Lebenspartnerin Ewa Margareta Cyran greift Jeroen Sigl in die Saiten der Gitarre. Sechzehn Jahre alt ist der Ungerank-Sch\u00fcler erst und hat doch schon bedeutende Preise errungen. Der Idee des gesamtk\u00fcnstlerischen Programms folgt der Junginterpret technisch imponierend versiert mit St\u00fccken haupts\u00e4chlich aus dem spanisch-kubanischen Klangraum, von Isaac Alb\u00e9niz, Francisco T\u00e1rrega und Leo Brouwer, und mit einem verhaltenen Ausdruck von buchst\u00e4blich lyrischer Tiefenwirkung.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Lebensweise \u201eWahrheiten\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Lyrikerin selbst, obwohl anwesend, tr\u00e4gt nicht selber vor. In Peter Kampschulte, dem Schauspieler und Gastronomen der \u201eKulturkantine\u201c, finden ihre Verse einen einf\u00fchlsamen, k\u00f6rperlich beherrschten, hingegen in Stimme und Tonart sorgsam modulierenden Rezitator. \u201eWorte sind wertlose H\u00fclsen, die Wahrheit steckt nicht im Gedicht\u201c, hei\u00dft es zu Anfang &#8211; in aller Bescheidenheit? Oder in bitterer Skepsis? Was folgt, widerspricht beidem zur Gen\u00fcge. Zu den lebensweisen \u201eWahrheiten\u201c Haushofers geh\u00f6rt die Hoffnung ebenso wie die Verg\u00e4nglichkeit, M\u00e4rchenhaftes (aus \u201eFroschk\u00f6nig\u201c, \u201eRotk\u00e4ppchen\u201c, \u201eDornr\u00f6schen\u201c) neben umso realeren \u201eSchuttbergen unseres Beziehungsger\u00fcmpels\u201c, die Erdenschwere so gut wie die Leichtigkeit des Himmelslichts und, im Kosmos, die \u201eSchw\u00e4rze\u201c, die nichts und niemand \u201eauszuloten\u201c vermag.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Wie immer bei Gedichten f\u00e4llt, wo sie nur ein Mal vorgelesen werden, das Verst\u00e4ndnis nicht leicht. Konzis und reif, nie dramatisch oder auch nur farbges\u00e4ttigt, gleichwohl stets anschaulich klingt Haushofers Poesie, aber freilich l\u00e4sst sie sich mit keiner b\u00fcndigen Prosa greifen und begreifen oder gar platt \u00fcbersetzen. Andererseits geh\u00f6rt keine Zeile davon jener zweifelhaften Sorte sogenannter \u201ahermetischer Lyrik\u2018 an, die sich durch radikale Fremd- und Dunkelheit jedem Durchblick entzieht. Immerhin so weit reicht ihre Offenheit, dass umgekehrt der Leser, die H\u00f6rerin sich ihr leicht zu \u00f6ffnen vermag: ihren Atmosph\u00e4ren und Gestimmtheiten, den Gem\u00fcts-Klimaten und Symbolen aus Natur und Jahreslauf, den wechselnden Wortgewichten und den Gehalten zwischen den Zeilen.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Als \u201alyrisches Du\u2018 spricht die Autorin, noch in den Liebesgedichten, nicht eigentlich den Mann oder gar den Gatten an, sondern \u00fcberhaupt den N\u00e4chsten und Nebenmenschen, wom\u00f6glich die Menschheit. Dem \u201eDu\u201c begegnet sie, die \u201eHerzstreicherin\u201c, mit einer \u201eSehnsucht\u201c, die einmal im \u201eHunger nach deiner Haut\u201c Erf\u00fcllung findet; und ein andermal \u201ewundl\u00f6chrig\u201c geworden ist, als verbrauchte \u201eblaue H\u00fclle\u201c ums \u201alyrische Ich\u2018.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u201eGrammatik des Herzens\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der \u201eGrammatik des Herzens\u201c \u2013 in der sich das Wort <em>lieben<\/em> als \u201eTunwort\u201c, als Aufruf zum Handeln, erweist \u2013 folgen die Arbeiten Tschoepes. \u201eBegleitbilder (keine Illustrationen!)\u201c: Schnell hat der K\u00fcnstler sie mit Feder und Tusche aufs Papier geworfen, hat sie mit energischen Streifen, Feldern, Flecken in Wasserfarben laviert, ansonsten aber absichtsvoll unelaboriert gelassen. Als Variationen zum intuitiv nachempfundenen Thema entstanden sie, aus autonomem Abstand als dynamische Verwandlungen eines Wortes hier, einer dichterischen Impression da, eines poetischen Fluidums dort.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp; Ein Schmetterling, eine Herzkontur tauchen per Beamer auf einer Projektionswand auf, ein Vogelwesen (\u201eSchwalbe\u201c oder \u201eHahn\u201c?), Mondsichel und Sterne, auch Fu\u00dfabdr\u00fccke, deren R\u00e4nder und Farbf\u00fcllungen sich \u00fcberlappen \u2026 Nicht zuletzt aber ergeben sich, gleichsam improvisiert, Szenen menschlicher Konturen: Figuren in einer Nacktheit ohne Anz\u00fcglichkeit und Frivolit\u00e4t, sondern zur\u00fcckbezogen aufs Kreat\u00fcrliche. Einer der \u201evielen, vielen\u201c Tuschpunkte, -tropfen, -kleckse sitzt einer weiblichen Gestalt wie ein Schrei mitten im Gesicht; meist aber stehen Personifikationen von Mann und Frau wie lauter Adams und Evas beieinander. Einer der Texte imaginiert denn auch ein \u201eParadiesg\u00e4rtlein\u201c mitsamt dem mythischen \u201eEinhorn\u201c, dem lauteren Symbol f\u00fcr Reinheit und tugendhaftes Christentum.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u201eEs ist alles gesagt\u201c, behauptet eine von Haushofers Zeilen. Wo aber die Worte \u201eschweigen\u201c, tritt nicht selten im Leben ein Schau- oder Tonst\u00fcck in seine Rechte. An diesem Abend auch, und es stimmt alles zusammen: Sprach-\u201eBilder einer Ausstellung\u201c in einer Galerie aus Versen. <em>&#8211; Michael Thumser f\u00fcr Hof, Hochfranken-Feuilleton, Mai 2023 (online)<\/em><\/p>\n<h3>Related Images:<\/h3>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Michael Thumsers Kritik im Hochfranken Feuilleton von Anfang Mai 2023 \u00fcber einen vielsa\/eitigen Kunstgenuss: LIEBEN IST EIN TUNWORT \u201eNachklang\u201c im Wortsinn: Nach der gewaltigen Tschoepe-Retrospektive in der Freiheitshalle erklangen nun im Theater Hof 26 Gedichte von Ingrid Haushofer, zu denen der K\u00fcnstler lavierte Tuschzeichnungen geschaffen hat, dazu intimes Saitenspiel auf der Gitarre. 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