{"id":2904,"date":"2024-12-04T19:35:06","date_gmt":"2024-12-04T18:35:06","guid":{"rendered":"https:\/\/tkv-hochfranken.de\/?p=2904"},"modified":"2024-12-04T19:35:06","modified_gmt":"2024-12-04T18:35:06","slug":"kritik-im-hochfranken-feuilleton-05-12-2014","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tkv-hochfranken.de\/index.php\/2024\/12\/04\/kritik-im-hochfranken-feuilleton-05-12-2014\/","title":{"rendered":"Kritik im Hochfranken-Feuilleton (05.12.2014)"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"456\" src=\"https:\/\/tkv-hochfranken.de\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/ho-f-Kammerchor-2-1024x456.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2903\" srcset=\"https:\/\/tkv-hochfranken.de\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/ho-f-Kammerchor-2-1024x456.jpg 1024w, https:\/\/tkv-hochfranken.de\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/ho-f-Kammerchor-2-300x133.jpg 300w, https:\/\/tkv-hochfranken.de\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/ho-f-Kammerchor-2-768x342.jpg 768w, https:\/\/tkv-hochfranken.de\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/ho-f-Kammerchor-2-1536x683.jpg 1536w, https:\/\/tkv-hochfranken.de\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/ho-f-Kammerchor-2-2048x911.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Wolfgang Weser vor dem Kammerchor in St. Lorenz: &#8222;Der Morgenstern ist aufgedrungen.&#8220; (Foto: thu)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>von Michael Thumser \/ aus: <a href=\"https:\/\/www.hochfranken-feuilleton.de\/Konzert-202425\/\">www.hochfranken-feuilleton.de<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><strong>AUF DIE HOFFNUNG WARTEN<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eMachet die Tore weit\u201c: Der Kammerchor Hof lud zum Adventskonzert. Freilich gab sich das Ensemble unter Wolfgang Wesers Leitung nicht einfach damit ab, das Publikum mit vorweihnachtlichen Gef\u00e4lligkeiten einzulullen. Nicht als Mahnruf, doch als Weckruf wollte das tiefsinnige Programm verstanden sein.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Von Michael Thumser<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Naila\/Hof, 5. Dezember 2024<\/strong> \u2013 Man muss nicht fromm sein, um Advent zu feiern. Zwar sehen die Christen am Beginn des Kirchenjahrs dem Geburtstag ihres Messias entgegen und schauen auch schon mal auf dessen irgendwann f\u00e4llige Wiederkehr voraus. Aber die allzu vielen Dunkelstunden am Ende des Kalenders setzen wohl den allermeisten Zeitgenossen und -genossinnen zu, und auch Agnostiker und Atheisten freuen sich darauf, dass der n\u00e4chste Morgen mit dem Licht eines neuen Tages \u00fcber der in mancherlei Hinsicht&nbsp; verd\u00fcsterten Welt aufgeht. Sp\u00e4testens um halb neun l\u00e4sst sich mit Worten der fr\u00fchen Neuzeit sagen: \u201eDer Morgenstern ist aufgedrungen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Mit jenen Worten begann der Kammerchor Hof angemessen sein Adventskonzert \u2013 wobei zu \u00fcberlegen w\u00e4re, welchen \u201eStern\u201c der Dichter und die Komponisten, Daniel Rumpius sowie Michael Praetorius und Otto Riethm\u00fcller, wohl gemeint haben: die Sonne? Oder die Venus, die den Aufgang des Zentralgestirns ank\u00fcndigt und theologisch zudem f\u00fcr Jesus Christus steht? Geht es pragmatisch um Astronomie? Oder um geistliche Allegorie?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Herzhaftes Stimulans<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Gerade zweieinhalb Monate ist es her, dass Wolfgang Wesers hochm\u00f6gendes Ensemble mit dem Konzeptprogramm \u201eWarning to the Rich\u201c gewissenlosen Selbstbereicherern und Materialisten himmlische Vergeltung vorausgesagt hat. Diesmal, erst in der Nailaer Stadtkirche, tags darauf in St. Lorenz in Hof,&nbsp;machte der Chor es dem besonnen lauschenden Publikum ein wenig leichter. Freilich l\u00e4sst er sichs auch jetzt nicht angelegen sein, die Zuh\u00f6renden mit duftigen T\u00f6nen von Apfel, Nuss und Mandelkern gef\u00e4llig einzulullen; lieber stimmt er mit feinf\u00fchlig aufeinander bezogenen Chor\u00e4len und Motetten auf Sinn und Bedeutung von Advent und Weihnachten ein. Nicht zum Warnruf, doch zum Weckruf hat der Chorleiter, neuerlich imponierend in seiner Werkkenntnis, die Bietr\u00e4ge zusammengefasst.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Obendrein wirkt ein explizit aufscheuchendes Instrument mit: Sowohl solistisch als auch von Dorothea Weser an der Orgel begleitet, erweckt Trompeter Sergey Storozhenko das Auditorium mit alter Musik von Georg Friedrich H\u00e4ndel, mit romantischer von C\u00e9sar Franck, mit neuer von Th\u00e9o Charlier. Die Bl\u00e4serk\u00fcnste des jungen, schon staunenswert versierten K\u00fcnstlers r\u00fctteln nicht erschreckend auf, lassen aber als mal mehr, mal weniger herzhaftes&nbsp;Stimulans aufhorchen. Auch mit dem Chor verbindet Storozhenko sein Spiel, in einer \u201eFantasie\u201c von Johann Ludwig Krebs: \u201eWachet auf, ruft uns die Stimme\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Archaisches Dunkel<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Dass Weihnachten ein sehr s\u00e4kulares Fest geworden ist, verleugnet die Trompete in H\u00e4ndels D-Dur Suite mit ihrer diesseitigen Lebensf\u00fclle nicht. Wirkungsvoll kontrastierend h\u00e4lt, unmittelbar danach, ein Advents-Kyrie des 1960 gestorbenen G\u00fcnter Raphael \u00fcber \u201eMaria durch ein Dornwald ging\u201c dagegen: Geheimnisvoll in der Herbheit des Zusammenklangs verbreiten die f\u00fcnfzehn S\u00e4ngerinnen und zehn S\u00e4nger ein archaisches Dunkel, um damit die folgende Motette von Heinrich Sch\u00fctz gleichsam einzukleiden. \u201eEs ist erschienen die heilsame Gnade Gottes\u201c, predigt der Chor mit Worten aus dem neutestamentlichen Titus-Brief, singt in lehrhafter Nachdr\u00fccklichkeit vom \u201eWarten auf die Hoffnung\u201c und stellt sich damit einer doppelten Ungewissheit: Nicht erst vor das Gute, das zu guter Letzt \u201avon oben\u2018 kommen soll, sondern schon vor die Hoffnung darauf hat der Himmel erst einmal das Warten gesetzt.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Vom Christenmenschen ist mithin viel unverdrossene Geduld verlangt, denn \u201eHie leiden wir die gr\u00f6\u00dfte Not\u201c, wie es bei Johannes Brahms hei\u00dft. In seiner Version von \u201eO Heiland, rei\u00df die Himmel auf\u201c identifizieren sich die Vokalisten geziemend mit dem Klagegestus der wandlungsreichen Motette und sparen selbst mit akzentuierter Seufzer-Motivik nicht; dabei wissen sie, w\u00e4hrend der <em>cantus firmus<\/em> von Stimme zu Stimme wandert, ihre variablen Druckkr\u00e4fte jeder neuen Strophe ungezwungen neu anzupassen. Die (auch an anderer Stelle) gelegentlich labilen Eins\u00e4tze fallen nicht sehr ins Gewicht; umso mehr die Tugenden der Damen und Herren, die das Schlussst\u00fcck, Andreas Hammerschmidts \u201eMachet die Tore weit\u201c aus dem siebzehnten Jahrhundert, beispielhaft zusammenfasst: Durchsichtigkeit der musikalischen Faktur, Leichtigkeit der Deklamation bei verst\u00e4ndiger Einsicht in die Spiritualit\u00e4t der Texte, lichte H\u00f6hen, stabile Tiefen, Gel\u00e4ufigkeit bei hochgradiger Simultaneit\u00e4t \u2026<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Zu den Wurzeln<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Solche Qualifikationen kommen erst recht der Vertonung zweier Antifonen durch den heute siebzigj\u00e4hrigen Litauer Vytautas Mi\u0161kinis zugute, den diffizilsten Werken des Abends. Wachsam h\u00f6ren die Chorstimmen aufeinander, um die avancierte Harmonik der S\u00e4tze luzid zu modulieren. Im einen St\u00fcck, \u201eO radix Jesse\u201c, f\u00fchrt das Ensemble die Geburt des Messias auf Jesu \u201eWurzel\u201c zur\u00fcck, auf Isai, den Vater Davids, des prominentesten hebr\u00e4ischen K\u00f6nigs.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Von der Empore herab l\u00e4sst Dorothea Weser and\u00e4chtig \u201eNun komm, der Heiden Heiland\u201c folgen, einen der genialsten Orgelchor\u00e4le Johann Sebastian Bachs; seine zu Tode betr\u00fcbte und zugleich erwartungsvolle Haltung greift zur\u00fcck auf Mi\u0161kinis\u2019 schon fr\u00fcher intoniertes \u201eO Oriens\u201c: Da haben Wolfgang Wesers S\u00e4ngerinnen und S\u00e4nger die \u201eFinsternis\u201c und den \u201eSchatten des Todes\u201c mit wundersamen Tiefenwirkungen \u201eerleuchtet\u201c. So k\u00fcndigt \u2013 je nach \u00dcbersetzung \u2013 der \u201eMorgenstern\u201c oder \u201edie Morgenr\u00f6te\u201c nicht den ersehnten hellen Tag allein an, sondern ebenso die \u201eSonne der Gerechtigkeit\u201c mit ihrem \u201eGlanz des ewigen Lichts\u201c. In Zeiten meteorologischer wie weltpolitischer K\u00e4lte kann die hoffende Menschheit, ob gl\u00e4ubig oder nicht, solch weihnachtliche Erderw\u00e4rmung gut gebrauchen.<em> &#8211; Michael Thumser f\u00fcr Naila \/ Hof, Hochfranken-Feuilleton, 05. Dezember 2024 (online)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>\u25a0 Der Kammerchor Hof im Internet: <a href=\"https:\/\/kammerchor-hof.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">hier lang<\/a>.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><em><a href=\"https:\/\/www.hochfranken-feuilleton.de\">Hier geht es zum HOCHFRANKEN-FEUILLETON: https:\/\/www.hochfranken-feuilleton.de<\/a><\/em><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n<h3>Related Images:<\/h3>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wolfgang Weser vor dem Kammerchor in St. Lorenz: &#8222;Der Morgenstern ist aufgedrungen.&#8220; (Foto: thu) von Michael Thumser \/ aus: www.hochfranken-feuilleton.de AUF DIE HOFFNUNG WARTEN \u201eMachet die Tore weit\u201c: Der Kammerchor Hof lud zum Adventskonzert. Freilich gab sich das Ensemble unter Wolfgang Wesers Leitung nicht einfach damit ab, das Publikum mit vorweihnachtlichen Gef\u00e4lligkeiten einzulullen. 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