
Wenn ein musikalisches Kaleidoskop eine visuelle Repräsentation bekommen soll, dann ist das optische Brechen realer Bilder naheliegend; so dachte Sebastian Schumann. Schließt sich doch somit der metaphorische Rahmen dieses Titels. Als Volume Eins im Entstehen war, wütete eine Pandemie und der Einhornschädel war des Künstlers erste Wahl. Stand dieser doch gleichermaßen für Zumutung und Hoffnung.
Volume Zwei wird nun in eine Zeit geboren, „welche zwar ihre ganz eigenen Zumutungen aufbietet, in Hinblick auf die besagte Pandemie aber auch von vollzogenen Heilungsprozessen gekennzeichnet ist“, so Schumann. Eine Pflanze sollte über der CD erblühen. Der Künstler entschied sich für die Gattung der Schwertlilie (Iridaceae). Bekannt ist sie heute vor allem für ihren triumphierenden Gestus in der Heraldik.
Schumann aber interessiert sich für ihre Verwendung als Heilmittel. So wurde vor allem im Mittelalter – einer epidemisch belasteten Zeit – aus dem Rhizom (dem „Wurzelstock“) der Schwertlilie eine Latwerge (ein mit Honig eingedickter, haltbarer Arzneisaft) bereitet. Es ist also Heilung, welche von einem zunächst unsichtbaren Netzwerk der Pflanze ausgeht, welches gleichzeitig scheinbar zufällig zur Vermehrung ebendieser Pflanze führt.
Wir wünschen uns, dass dieses Album dazu beiträgt, die Rhizome des Oberfränkischen Tonkünstlerverbandes zu stärken und fortzuentwickeln. Seien Sie gespannt, wo wir künftig emporsprießen werden.
