
Der Tonkünstlerverband Hochfranken e.V. präsentiert ein besonderes GASTKONZERT: Die internationale Star-Gambistin Hille Perl spielt zusammen mit dem nicht minder berühmten Lautenisten Lee Santana ein Konzert in Hofs historischer Hospitalkirche (Unteres Tor 9a, 95028 Hof). Beginn ist 19:00 Uhr, gegeben wir ein spezielles Programm: „LUDWIGS TRAUM- UND TANZMUSIK“ – MUSIK AUS DEN GEMÄCHERN VON LOUIS XIV. Es erklingen Werke von Louis Couperin, Marin Marais, Antoine Forqueray und anderen. Genaueres zu diesem speziellen Konzertprojekt finden Sie weiter unten. Diesen Termin dürfen Sie nicht verpassen! Der Eintritt ist ausnahmsweise frei, da das besondere Konzert komplett vom Tonkünstlerverband Hochfranken e.V. – speziell für unsere Region – präsentiert wird. Spenden werden allerdings erbeten.
LUDWIGS TRAUM- UND TANZMUSIK – MUSIK AUS DEN GEMÄCHERN VON LOUIS XIV.
HILLE PERL Viola da Gamba / LEE SANTANA Theorbe
Zum Programm: Die Musikkultur am Hofe des Sonnenkönigs
Marin Marais, der große Gambist des Versailler Hofes, steht ganz im Mittelpunkt dieses Programmes – wir stellen uns vor, wie das Leben am Hofe entscheidend durch die andauernde Beschäftigung mit Musik als transzendierter Form des Ausdruckes aller emotionalen Lebenslagen geprägt ist.
In den fünf Büchern seiner ‚Pièces de Viole’ mit insgesamt mehr als 800 Stücken für Violen da Gamba lässt sich die stilistische und technische Entwicklung ablesen, von virtuosen Variationsstücken im ersten und zweiten Buch bis hin zu der nahezu als revolutionär zu bezeichnenden ‚Suite d’un Goût Étranger‘ im vierten Buch, in der die formalen und tonartlichen Grenzen experimentell überschritten werden – die zwei Sätze Le Badinage und Le Labyrinthe in diesem Programm stehen für diesen Erfindungsreichtum.
Es ist bekannt, dass Ludwig XIV. sich gerne von früh bis spät mit Musik umgab, was bedeutete, dass Hofmusiker ihn vom frühen Morgen an, aus dem Nebenzimmer, bei gesellschaftlichen Anlässen, zum Tanz, zu den Mahlzeiten und auch ins Schlafgemach begleiteten.
Obwohl wir wissen, dass Monsieur de Sainte Colombe (dessen weltlicher Name der Wissenschaft inzwischen als Auguste D’Autrecourt bekannt ist) nie bei Hofe zu Gast war – er lehnte es wohl aus religiösen Gründen ab – ist sein Einfluss auf die Entwicklung der Gambenmusik in technischer und auch instrumentenbaulicher Hinsicht unumstritten.
Als Lehrer von Marin Marais hatte er so auch einen entscheidenden Einfluss, auf die Ästhetik am Hofe.
Robert de Visée, ein direkter Kollege von Marais als Hofmusiker, war nicht nur Lautenist, auch Gitarrist und Gambist, ja sogar als Sänger betätigte er sich bei Hofe. Wir stellen uns gerne vor, dass Marin Marais und Robert de Visée in ähnlicher Weise zusammenarbeiteten, wie wir das in diesem Programm demonstrieren.
Als jüngerer Nachfolger von Marais bei Hofe bis in die Zeit von Louis XV steht Antoine Forqueray für den Versuch der Weiterentwicklung und Modernisierung der Gambenmusik am Vorbild des in die Mode gekommenen Instrumentes, der Violine. Zwei Beispiele aus dem Schaffen dieses bedeutenden Gambisten runden das Programm stilistisch ab.
Hille Perl wird allgemein als eine der führenden Vertreter* innen der Kunst des Viola da Gamba-Spiels angesehen. Im norddeutschen Bremen in eine musikliebende Familie geboren und schon dadurch der Alten Musik nahestehend, entstand – nach dem Besuch eines Konzerts von Wieland Kuijken als sie 5 Jahre alt war – ihre Entscheidung für die Gambe. Hille Perl studierte bei Niklas Trüstedt (Berlin), Pere Ros und Ingrid Stampa (Hamburg). Ihren Abschluss machte sie 1990 an der Bremer Akademie für Alte Musik, wo sie von Sarah Cunningham und Jaap ter Linden unterrichtet worden war. Nach ihrer Ausbildung konzertierte Hille Perl als Solistin und Enseblemusikerin in ganz Europa, den USA, Kanada und Japan. Bald erschienen erste Solo-CDs. Unter den frühesten Aufnahmen war eine CD mit dem Titel „Retrouvé & Changé“ (Deutsche Harmonia Mundi 1997), darauf ein Programm mit Werken des geheimnisvollen Monsieur de Sainte-Colombe. Um diese Zeit herum veröffentlichte sie mit Lee Santana (Laute, Theorbe, Chitarrone und Barockgitarre) einige Projekte and auch als Teil von Andrew Lawrence-Kings Harp Consort, darunter die maßstabsetzende CD „Spanische Tänze“. Angeregt von der sich bietenden Gelegenheit, die südländischen Aspekte von Alter Musik zu erkunden, gründeten Hille und Lee Santana 2001 ihr eigenes Ensemble „Los Otros“ (Die Anderen). 2004 veröffentlichte Hille Perl mit Lee Santana auf Deutsche Harmonia Mundi eine ihrer am meisten gefeierten Aufnahmen: „Marais’ Pour a Violle & le Théorbe“. Perl und Santana gründeten auch noch ein weiteres Ensemble, „Age of Passions“, mit der Geigerin und Dirigentin Petra Müllejans und dem Flötisten Karl Kaiser. Hille Perl machte darüber hinaus zwei Aufnahmen mit Gambenkonzerten mit dem Freiburger Barockorchester und brachte zwei Solo-CDs mit Sonaten von Johann Sebastian Bach heraus. Auch machte sie Einspielungen mit einer elektrischen Gambe und stellte diese 2014 auf dem Album „Born To Be Mild“ vor. Mit ihrer Tochter Marthe, selbst eine talentierte Gambistin, spielte sie zwei CDs mit alter und neuer Musik über die Themen „Elemente“ (2015) und „Die vier Jahreszeiten“ (2016) ein. Hille Perl konzertiert bei vielen großen europäischen Festivals. Ihre Aufnahmen für DHM/Sony haben ihr weltweites Kritikerlob und viele Auszeichnungen eingetragen, darunter vier ECHO Klassik-Preise. 2017 gab Hille Perl ihr Leinwanddebüt in dem Film „Happy End“ des österreichischen Regisseurs Michael Haneke, der mit einem Academy Award ausgezeichnet wurde. Seit 2002 unterrichtet Hille Perl Viola da Gamba an der Hochschule der Künste Bremen. Wenn sie nicht auf Konzertreise ist, lebt sie in einem Bauernhaus in Norddeutschland mit ihrem Mann und einigen Schafen, Gänsen, Hühnern, zwei Katzen, zwei Hunden und vielen Bäumen und baut dort Gemüse an.

Viola da Gamba, Matthias Alban 1686: Dieses Instrument wurde 1952 in einem österreichischen Kloster entdeckt. Es kam in den Besitz eines Laien-Gambisten, der es von Ingo Muthesius instand setzen ließ, einem bekannten Streichinstrumentenbauer, der sich auf Gamben spezialisiert hatte. Obwohl das Instrument nicht katastrophal beschädigt war, ersetzte Muthesius den Teil des Griffbretts, der mit Instrument verbunden war, erhielt den originalen Löwenkopf und den Wirbelkasten. Der Korpus des Instruments ist original, auch wenn der Apfelholz-Boden und die Zargen über die Jahrhunderte einige Risse erhalten haben. Das Instrument ist einzigartig in der Hinsicht, dass bis heute kein Schwesterinstrument gefunden werden konnte. Die Forschung hat bestätigt, dass das Deckenholz dieses Instruments den erhaltenen Violinen aus der Alban-Werkstatt in Bozen entspricht, in der Matthias Alban und seine zwei Söhne bis 1712 aktiv waren. Das Instrument wurde Hille Perl von dem Eigentümer testamentarisch vermacht. Es hat gegenwärtig einen neuen Steg und ein neues Griffbrett, gebaut von Claus Derenbach in Köln. Das Alban-Instrument ist seit 2004 das Haupt-Instrument von Hille Perl.

Hille Perl und Lee Santana arbeiten seit 1984 als Duo zusammen. Die gebürtige Bremerin und der Amerikaner aus Florida trafen sich auf dem Bremer Hauptbahnhof und unternahmen von dort ungezählte Konzertreisen in die ganze Welt, u.a. in die USA, nach Japan und Mittelamerika, Australien, Ägypten und Israel. Ihre Mitgliedschaft in namhaften Ensembles ist durch zahlreiche CD-Aufnahmen dokumentiert, u.a. mit dem Harp Consort, dem Freiburger Barockorchester, Musica Fiata und Les Nations. Im Februar 2003 erschien unter dem Titel ‚Tinto‘ eine CD, die die Zusammenarbeit des Duos mit dem Gitarristen und Tänzer Steve Player dokumentiert. Das Trio tritt seit 2002 unter dem Namen ‚Los Otros‘ auf internationalen Festivals mit Programmen auf, deren Hauptthema die Verbindung von Musik und Bewegung durch Improvisation ist. Im Jahre 2004 nahmen Hille Perl und Lee Santana für dhm eine CD unter dem Titel ‚pour la violle et le théorbe’ ihre erste CD mit Werken des französischen Gambenvirtuosen Marin Marais auf. Sie steht auf der Bestenliste des Preises der deutschen Schallplattenkritik (August 2004). Für die Produktion ‘Love’s Alchemy’ bekam das Duo in Zusammenarbeit mit der Sopranistin Dorothee Mields einen weiteren Echo-Klassik-Preis. Lee Santana begann 1984 eine Reihe von Werken für alte Instrumente zu schreiben, angefangen mit Stücken für verschiedene Soloinstrumente der Lautenfamilie, später Kompositionen für Violen da Gamba, Blockflöten, kleines Barockorchester, verschiedene gemischte Ensembles, zwei Liederzyklen und drei Ballette. Die CD ‚The star & the sea‘ erschienen im November des Jahres 2002 bei Carpe Diem enthält Kompositionen für Viola da Gamba und Lauteninstrumente. Die Beschäftigung des Duos mit der immer weiter zu erforschenden Welt der Alten Musik sowie die daraus resultierende Entdeckung immer neuer Klangmöglichkeiten schlägt sich so auch in der Entwicklung zeitgenössischer Werke nieder. Hille Perl und Lee Santana begreifen sich mit ihrer Arbeit als Gesamtkunstwerk und ihr Beruf ist eine immerwährende ‚work in progress‘.
