„projects4cellos“ mit Lukas Dihle, Hanno Riehmann, Mathias Beyer und Markus Jung (von links) im Kammermusiksaal der Pianomanufaktur Steingraeber bei einem außergewöhnlichen Konzert, das von Susanne Bieler moderiert wurde. (Foto: Stephan Herbert Fuchs)

Opernabend der anderen Art: „projects4cellos“ gastierte bei Steingraeber.

Von Stephan Herbert Fuchs

Bayreuth. 16 Saiten, vier exzellente Musiker auf vier Instrumenten und eine versierte und kenntnisreiche Moderatorin: mit der Formation „projects4cellos“ und ihrem Programm mit Opernmelodien von Donizetti über Wagner bis Puccini gab es am Donnerstagabend im vollbesetzten Kammermusiksaal der Klaviermanufaktur Steingraeber ein wundervolles Konzert fernab jeglicher Hörgewohnheiten.

„Perlen aus der Welt der Oper“: Unter diesem Titel gab es in den 1950er und 1960er Jahren bunte Sammlungen mit Klaviernoten mit Ohrwürmern italienischer Komponisten. „Projects4cellos“ hat diese Sammlungen scheinbar wieder ausgegraben, aus den Opernmelodien raffinierte Arrangements für wundervolle Quartett-Versionen gemacht, sie mit großem Können einstudiert und gekonnt aufgeführt.

Da gab es „Che gelida manina“ aus „La Bohème“, „O mio babbino caro“ aus „Gianni Schicchi“ oder „Nessun dorma“ aus „Turandot“, alles von Puccini, und man wundert sich, dass man die Gesangstimme eigentlich gar nicht so vermisst. Das liegt vor allem daran, dass das Cello mit seinem warmen Klang der menschlichen Stimme sehr nahekommt. Fast könnte man meinen, das alles sei so komponiert worden, aber in Wirklichkeit ist es natürlich dem Können und der technischen Perfektion der vier Solisten zu verdanken, dass sie die raffinierten, meist eigenen Arrangements so perfekt beherrschen. Aber auch rein instrumentale Stücke, wie das Intermezzo aus der „Cavalleria rusticana“ oder Melodien aus Georges Bizets „Carmen“ bringen die Vier mühelos und blitzsauber rüber, so dass man den großen Orchesterapparat gar nicht mehr vermisst.

Die dunkle Schönheit des Cellotons lassen die vier Musiker aber nicht nur bei Giacomo Puccini, sondern auch bei Richard Wagner und am Ende bei den Zugaben sogar bei Franz Lehár und George Gershwin erklingen. Von Wagner gibt es das „Lied an den Abendstern“ und den „Einzug der Gäste“ aus dem „Tannhäuser“, von Lehár „Dein ist mein ganzes Herz“ und von Gershwin „Summertime“. 

Mit ihren Interpretationen und einer ausgeklügelten Artikulation dringen die Musiker in ganz neue Regionen sinnlicher Tiefe und Leidenschaft vor. Alle vier sind wahre Klangzauberer, die bei aller Liebe zum Detail das große Ganze nie aus den Augen lassen. So entsteht ein voluminöser Gesamtklang, der auch Skeptiker überzeugt haben dürfte. Schließlich handelt es sich ja beim Cello um ein Melodie-Instrument, auf dem die Mehrstimmigkeit zwar mitgedacht, aber nicht spieltechnisch komplett umgesetzt werden kann.

2022 war das Cello-Quartett zum letzten Mal in Bayreuth. Damals spielten Lukas Dihle von der Staatskapelle Weimar, Hanno Riehmann von der Meininger Hofkapelle, Mathias Beyer von der Neubrandenburger Philharmonie und Markus Jung von den Hofer Symphonikern, alle vier Absolventen der Musikhochschule Weimar, im Markgräflichen Opernhaus.

Moderatorin des Abends war Susanne Bieler, im Hauptberuf Dramaturgin bei den Hofer Symphonikern. Sie ist die Tochter des 2019 verstorbenen prominenten Komponisten Helmut Bieler, der unter anderem das Festival „Zeit für neue Musik“ in Bayreuth gegründet hatte. Susanne Bieler hatte spannende Hintergrundinformationen zu den Opern und deren Komponisten zusammengetragen, die sie zwischen den Stücken kenntnisreich vortrug.

Hier schließt sich auch der Kreis, denn Veranstalter des Abends war der Tonkünstlerverband Hochfranken, der damit seine Vernetzungen mit Bayreuth und der Pianofabrik Steingraeber weiter ausbauen möchte. Die Zusammenarbeit hat eine lange Tradition mit dem Komponisten Helmut Bieler, aber auch mit Wolfram Graf und anderen. Das gesamte Projekt war Teil von „Tonkünstler Live Special 2026“ und wurde vom Tonkünstlerverband und vom Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst unterstützt. – Stephan Herbert Fuchs für Bayreuth, Nordbayerischer Kurier, 15.August 2026

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