
Was für ein Konzert! Ganz großartig war, was Stargambistin Hille Perl und Starlautenist Lee Santana am 02. Juli 2026 in Hofs historischer Hospitalkirche boten! Wunderschöne aber auch aufbrausende Klänge, höchste Virtuosität und beeindruckende Technik vereinten sich bei dem hervorragend aufeinander eingespielten Duo Alter Musik! Hille Perl verbindet seit vielen Jahren ein besonderer Kontakt zu Hof – denn hier gibt es interessierte Gambistinnen und Gambisten. Um dieses besondere Instrument und das damit verbundene musikalische Event einer breiteren Masse zugänglich zu machen, lud der Tonkünstlerverband Oberfranken (vormals Hochfranken) die beiden Ausnahmemusiker nun nach Hof für ein Konzert ein. Als Konzertort konnte die historische, wunderschöne Hospitalkirche gewonnen werden, deren Gemälde und Holzinventar hervorragend zum musikalischen Programm passten und auch akustisch unterstützend wirkten.

Gegeben wurde ein spezielles Programm: „LUDWIGS TRAUM- UND TANZMUSIK“ – MUSIK AUS DEN GEMÄCHERN VON LOUIS XIV. Es erklangen Werke von Louis Couperin, Marin Marais, Antoine Forqueray und anderen. Das Programm drehte sich um die Musikkultur am Hofe des Sonnenkönigs und Marin Marais, der große Gambist des Versailler Hofes, stand ganz im Mittelpunkt dieses Programmes. Man konnte sich vorstellen, wie das Leben am Hofe entscheidend durch die andauernde Beschäftigung mit Musik als transzendierter Form des Ausdruckes aller emotionalen Lebenslagen geprägt war. Ludwig XIV. umgab sich gerne von früh bis spät mit Musik, was bedeutete, dass Hofmusiker ihn vom frühen Morgen an, aus dem Nebenzimmer, bei gesellschaftlichen Anlässen, zum Tanz, zu den Mahlzeiten und auch ins Schlafgemach begleiteten. Dementsprechend vielseitig und zum Teil auch heiter klingt diese französische Musik…

Hille Perl und Lee Santana arbeiten seit 1984 als Duo zusammen. Die gebürtige Bremerin und der Amerikaner aus Florida trafen sich auf dem Bremer Hauptbahnhof und unternahmen von dort ungezählte Konzertreisen in die ganze Welt, u.a. in die USA, nach Japan und Mittelamerika, Australien, Ägypten und Israel. Ihre Mitgliedschaft in namhaften Ensembles ist durch zahlreiche CD-Aufnahmen dokumentiert, u.a. mit dem Harp Consort, dem Freiburger Barockorchester, Musica Fiata und Les Nations. Im Februar 2003 erschien unter dem Titel ‚Tinto‘ eine CD, die die Zusammenarbeit des Duos mit dem Gitarristen und Tänzer Steve Player dokumentiert. Das Trio tritt seit 2002 unter dem Namen ‚Los Otros‘ auf internationalen Festivals mit Programmen auf, deren Hauptthema die Verbindung von Musik und Bewegung durch Improvisation ist. Im Jahre 2004 nahmen Hille Perl und Lee Santana für dhm eine CD unter dem Titel ‚pour la violle et le théorbe’ ihre erste CD mit Werken des französischen Gambenvirtuosen Marin Marais auf. Sie steht auf der Bestenliste des Preises der deutschen Schallplattenkritik (August 2004). Für die Produktion ‘Love’s Alchemy’ bekam das Duo in Zusammenarbeit mit der Sopranistin Dorothee Mields einen weiteren Echo-Klassik-Preis. Lee Santana begann 1984 eine Reihe von Werken für alte Instrumente zu schreiben, angefangen mit Stücken für verschiedene Soloinstrumente der Lautenfamilie, später Kompositionen für Violen da Gamba, Blockflöten, kleines Barockorchester, verschiedene gemischte Ensembles, zwei Liederzyklen und drei Ballette. Die CD ‚The star & the sea‘ erschienen im November des Jahres 2002 bei Carpe Diem enthält Kompositionen für Viola da Gamba und Lauteninstrumente. Die Beschäftigung des Duos mit der immer weiter zu erforschenden Welt der Alten Musik sowie die daraus resultierende Entdeckung immer neuer Klangmöglichkeiten schlägt sich so auch in der Entwicklung zeitgenössischer Werke nieder. Hille Perl und Lee Santana begreifen sich mit ihrer Arbeit als Gesamtkunstwerk und ihr Beruf ist eine immerwährende ‚work in progress‘.

Das frenetisch begeisterte Publikum kam in einer für Hof überraschend hohen Anzahl, was die Künstler aber auch die Veranstalter außergewöhnlich freute. Hille Perl führte in ihrer charmant unterhaltsamen Art durch das Programm und Lee Santana beeindruckte durch seine Theorbe – eine sehr große Langhalslaute. Am Ende blieb die wunderbare Erinnerung genialer Musik, die viel zu schnell vorbei ging…